Sie gehören zu Hagenbeck wie das Historische Jugendstil-Tor, die Rote Brücke am Japan-Teich, das berühmte Afrika-Panorama oder die Thailändische Sala: die Dinosaurier-Skulpturen rund um den Birma-Teich. 12 Exemplare von Diplodocus über Triceratops bis hin zum Stegosaurus zieren Wege und Gewässer im Tierpark - und das seit 1909. Doch der Zahn der Zeit nagt an den denkmalgeschützten Giganten der Urzeit, eine Restaurierung ist unausweichlich.
Christiane Maier, Diplom-Restauratorin, führt aktuell eine Bestandsaufnahme am Allosaurus, einer Saurier-Skulptur am Orang-Utan-Haus, durch. Ziel der Untersuchung ist herauszufinden, wie die Exponate damals gebaut wurden, wie es um die Standfestigkeit steht, welche Materialien genutzt wurden und wie aufwendig und kostenintensiv eine Restaurierung wäre. Dafür verschafft sich die Expertin einen Überblick, fotografiert Details und zeichnet vorhandene Schäden in ihrer digitalen Kartierungssoftware ein. Erste Ergebnisse belegen, dass die Skulpturen mit einer Art Kunstharzhaut überzogen wurden, mutmaßlich in den 80er Jahren und zahlreiche Risse in der Oberfläche vorhanden sind, durch die Feuchtigkeit eingedrungen ist.
Die aufwendigen Untersuchungen durch die Restauratorin am Allosaurus dienen Hagenbeck als eine Art Muster für die Arbeiten an allen 12 Figuren. Da die Skulpturen mehr als 100 Jahre alt sind, stehen sie unter Denkmalschutz, eine Abstimmung mit der Behörde für Kultur und Medien - Denkmalschutzamt Hamburg ist somit bei allen Schritten erforderlich. Ein Interesse seitens des Amtes, die Restauration zu unterstützen, wurde nach ersten Gesprächen bereits bestätigt.
Die Idee hinter den Dinosaurier-Skulpturen
Die lebensgroßen Dinosaurier-Plastiken wurden 1908 von Carl Hagenbeck in Auftrag gegeben und im Winter 1909/1910 vom Kölner Bildhauer Josef Pallenberg fertig gestellt. Der Visionär Hagenbeck sah die „Urweltlandschaft“ als eine Ergänzung zu den lebenden Tieren im Tierpark.
Bei der Anfertigung vor 117 Jahren wurden wissenschaftliche Erkenntnisse wie Abbildungen von Skeletten und Rekonstruktionen aus naturgeschichtlichen Museen zugrunde gelegt. Ziel war es, eine möglichst naturgetreue Nachbildung zu erschaffen, da selbst Carl Hagenbeck an das Überleben von Dinosauriern glaubte. Daher finanzierte er 1909 eine Afrika-Expedition, deren Teilnehmer Berichte von Reisenden untersuchen sollte, die von einem Lebewesen in der Art eines Brontosaurus berichteten.
Dinosaurier-Skulpturen im Tierpark Hagenbeck
Bis zum Ersten Weltkrieg dampfte eine Miniatureisenbahn, es war die erste ihrer Art in Deutschland, auf einer 600 Meter langen Strecke rund um den Dinosaurier-Teich an den Skulpturen vorbei. Doch leider überlebten nicht alle Dinosaurier den Zweiten Weltkrieg. Einige fielen den Bomben zum Opfer, die 1943 den Tierpark Hagenbeck verwüsteten. Die schlimmsten Schäden konnten 1948 trotz Materialknappheit dank der Spenden zum 100-jährigen Firmenjubiläum behoben werden. Statt Blumen gab es von Baustofffirmen einige Ladungen Zement. Seither wurden die Figuren mehrfach restauriert.
Heute sind die Saurier von den Besucherwegen, die an Land und im Wasser in unterschiedlichen Verhaltensweisen dargestellt werden, gut zu sehen. Eine ausführliche Beschilderung beschreibt die einzelnen Tiere im Detail, die Verhaltensweisen und anatomischen Besonderheiten.
Zu sehen sind:
- Meiolania platiceps
- Diplodocus carnegii
- Pareiasaurus serbiens
- Teleosaurus
- Triceratops prorsus (im Wasser)
- Triceratops prorsus (stehend an Land)
- Mastodon giganteus
- Ichthyosaurus
- Iguanodon
- Alloraurus fragilis
- Plesiosaurus dolichodeirus
- Stegosaurus ungulatus
Außergewöhnliche Skelette
Da Dinosaurier für Hagenbeck schon immer eine wichtige Rolle spielten, wagte die Stiftung Hagenbeck im Februar 2020 eine bahnbrechende Investition. Der Stiftung Hagenbeck ist es gelungen, vier vollständige Skelette von einer seltenen Art der pflanzenfressenden Dinosauriergattung Suuwassea exklusiv für den Tierpark Hagenbeck und die Hansestadt Hamburg zu sichern. Es handelt sich um die versteinerten Knochen von zwei erwachsenen Sauriern, einem Tier im Jugendalter sowie einem kleineren Jungtier, die erst im Jahr 2009 im US Bundesstaat Wyoming entdeckt wurden. Die rund 150 Millionen Jahre alten Funde aus später Jurazeit könnten laut Expertenmeinungen wahrscheinlich sogar Überreste einer einzigen Dinosaurierfamilie sein und gelten damit weltweit als wissenschaftliche Sensation.




