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10 Jahre Eismeer - eine Erfolgsgeschichte

In der modernen Eismeer-Anlage leben Eisbären, Walrosse, Seebären, drei Arten Pinguine und unterschiedliche Seevögel in insgesamt mehr als fünf Millionen Liter Wasser und beeindruckenden Felsformationen. Entlang des 750 Meter langen Besucherweges können die Tiere der Arktis und Antarktis sowohl über als auch unter Wasser beobachtet werden.

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So fing alles an

Mehr als 100 Jahre war das Nordlandpanorama im Tierpark Hagenbeck die Heimat für Tiere der Arktis und der Antarktis. Bereits seit der Tierpark-Eröffnung im Jahr 1907 gehörte der charakteristische Felsen genauso zum Park wie das weltberühmte Afrika-Panorama. Schon Kaiser Wilhelm II begeisterte sich für die Polarlandschaft, später war dort das berühmte Walross Antje zu Hause. Nach mehr als einem Jahrhundert war dieses unverwechselbare Panorama so baufällig, dass die Anlage abgerissen werden musste. An derselben Stelle entstand 2012 nach historischem Vorbild das 8.000 Quadratmeter große Eismeer. In der modernen Anlage leben Eisbären, Walrosse, Seebären, drei Arten Pinguine und unterschiedliche Seevögel in insgesamt mehr als fünf Millionen Liter Wasser und beeindruckenden Felsformationen. Entlang des 750 Meter langen Besucherweges können die Tiere der Arktis und Antarktis sowohl über als auch unter Wasser beobachtet werden.

Im Juli ist es zehn Jahre her, dass Walrosse, Pinguine und Eisbären in das neu gebaute Eismeer eingezogen sind. Seitdem wurden vier Walrossbabys in der neuen Anlage geboren, die ersten ihrer Art, die jemals in Deutschland zur Welt kamen. Auch Pinguinküken und Robbenbabys erblickten in dieser Zeit das Licht der Welt. Gründe genug für den Tierpark Hagenbeck am 20. Juli 2022 den 10. Eismeer-Geburtstag mit einem bunten Programm rund um die Pole für Besucher jeden Alters zu feiern.

Archiv Hagenbeck, Hamburg

Einzigartig

• 8.000 Quadratmeter groß
• 5,3 Millionen Liter Wasser
• innovatives Nachhaltigkeitskonzept
• elf Meter hohe Besucherplattform
• mehr als zehn arktische und antarktische Tierarten, nur wenige Anlagen weltweit zeigen Tiere polarer Regionen in dieser Kompaktheit
• mit mehr als sieben Metern Tiefe eines der tiefsten Walrossbecken weltweit
• Sonderanfertigung einer Wellenanlage für die Seevogel-Voliere
• 14 Über- und Unterwasser-Einsichtsscheiben
• punktuell bis -acht Grad Celsius
• Antarktische Pinguin-Anlage, weltweit einzigartiges Konzept
• ein 750 Meter langer Rundweg
• auf die Habitate abgestimmte Botanik
• Unterwasserfütterungen möglich

Tiere im Eismeer

• Eisbären
• Pazifische Walrosse
• Südamerikanische Seebären
• Königspinguine
• Eselspinguine
• Humboldt-Pinguine
• Trottellummen
• Papageitaucher
• Kragenenten
• Eisenten
• Prachteiderenten
• Tordalk

Umweltschonendes und nachhaltiges Klimakonzept

Im Eismeer leben Tiere aus polaren Regionen, für die bestimmte Anforderungen in Bezug auf eine tiergerechte und naturnahe Haltung gelten. Die Kühlung des Beckenwassers ist nur mit einem hohen Energieaufwand möglich. Doch dank des geothermischen Systems wurde ein individuell angepasstes, umweltverträgliches und nachhaltiges Energiekonzept entwickelt. Mittels vier Wärmetauschern erfolgt die Kühlung der Becken über einen geschlossenen Kühlkreislauf.

Funktionsweise: Das elf Grad kalte Rohwasser aus den Tiefenbrunnen der Hamburger Wasserwerke fließt durch die Wärmetauscher, bevor es wieder zurück in den Brunnen gepumpt wird. In den Wärmetauschern kühlt das Rohwasser des einen Kreislaufs das aufgewärmte Beckenwasser des zweiten Hagenbeck-Kreislaufs. Auf diese Weise wird die Kälte in das Eismeer transportiert und dort über weitere Wärmetauscher an das Beckenwasser abgegeben, ohne, dass Wasser verbraucht wird. Dieser Kreislauf wird mithilfe einer Hocheffizienzpumpe bewegt, die mit solarerzeugtem Strom betrieben wird. Somit wird ausschließlich Wärme gegen Kälte getauscht.

Durch den Verzicht konventioneller Kälte- und Heizanlagen im Eismeer spart Hagenbeck rund 215.000 Kilowattstunden Strom und rund 840.000 Kilowattstunden Gas pro Jahr. Dadurch, dass Hagenbeck Abwärme nutzt, ergibt sich ein CO2-Einsparpotential von ca. 185 Tonnen CO2 pro Jahr.

Ressourcenschonend

Regen-/Brauchwassernutzung

Um mit dem kostbaren Lebensmittel Trinkwasser sparsam umzugehen, wird in den Besuchertoiletten des Eismeers sowie auf dem gesamten Hagenbeck-Areal gefiltertes Regenwasser eingesetzt. Für die Reinigung der Gehege wird Brauchwasser anstelle von Trinkwasser genutzt. Diese Maßnahmen erzielen Einsparungen von rund 5.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr für WC-Spülungen und 3.000 Kubikmeter für die Reinigung von Gehegen.

Solarenergie

Für eine möglichst effiziente Nutzung der Sonnenenergie hat Hagenbeck auf den Dächern des Wirtschaftshofes am Gazellenkamp eine der größten Fotovoltaik-Anlagen Hamburgs gebaut, mit der das Eismeer versorgt wird. Bereits seit Jahrzehnten bezieht der gesamte Park ausschließlich "grünen" Strom aus regenerativen Energiequellen wie Wind- und Sonnenenergie sowie Wasserkraft.

Lüftungssysteme

Energie- und ressourcensparend arbeiten auch die Lüftungssysteme des gesamten Eismeeres, die ohne mechanische Unterstützung auskommen. Durch eine ausgefeilte architektonische Konzeption sorgen eingebaute Luftschächte für ausreichend Frischluft.

Artenschutz

Die Polarregionen stellen heute Brennpunkte des Klimawandels dar. Die Auswirkungen globaler Erwärmung auf die Lebensräume der dort heimischen Tierarten sind deutlich zu erkennen. Die moderne Tierhaltung im Eismeer bemüht sich um die Zucht dieser Arten und wirbt gleichzeitig bei den Besuchern für den Erhalt und den Schutz dieser sensiblen Lebensräume. Das Engagement von Hagenbeck geht zudem durch nationale und internationale Kooperationen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Auch hierbei spielen Arterhalt sowie Natur- und Artenschutz eine entscheidende Rolle.

Im Tierpark Hagenbeck leben die einzigen Walrosse in Deutschland. Bereits seit vielen Jahren nimmt der Tierpark an einem einzigartigen Walross-Zuchtprogramm zwischen Hagenbeck, dem Bioparc Valencia, der mittlerweile die Walrosshaltung aufgegeben hat und dem belgischen Zoo Pairi Daiza teil. Drei Tierparks aus drei Ländern verfolgen das Ziel, den Bestand der gefährdeten Pazifischen Walrosse zu sichern. Zu diesem Zweck reisten 2019 drei weibliche Walrossdamen aus Valencia nach Hamburg, um von Hagenbecks Walrossbullen Odin, dem einzigen Zuchtbullen in ganz Europa, gedeckt zu werden. Nach ihrer Hochzeitsreise zogen die drei Weibchen nach Belgien in den Zoo Pairi Daiza in Brugelette. Hier lebt auch Hagenbecks erster männlicher Walross-Nachwuchs Thor in der 18 Hektar großen Anlage „Land der Kälte" und wächst hier zum nächsten Zuchtbullen innerhalb Europas heran. Den Beweis für den Erfolg des Walross-Zuchtprogramms lieferte ein Weibchen rund 16 Monate nach ihrem Hamburg-Besuch. Sie brachte ein gesundes Walross-Jungtier in Pairi Daiza zur Welt. Bleibt zu hoffen, dass das Walross-Zuchtprogramm zwischen Hagenbeck und Pairi Daiza weiterhin so erfolgreich verläuft.

Erfolgreiche Nachzuchten

Regelmäßigen Nachwuchs gibt es auch bei den Südamerikanischen Seebären im Eismeer. Im Sommer 2020 erblickte ein ganz besonderes Jungtier das Licht der Welt – ein Albino-Seebärenbaby. In der über einhundertjährigen Hagenbeck-Geschichte war es das erste weiße Jungtier.

In der Natur kommt Albinismus, der durch Genmutation entsteht, bei Tieren nur sehr selten vor. Die Überlebenschance der weißen Jungtiere mit roten Augen und roter bis rosafarbener Haut ist im Freiland sehr gering. Nicht nur, dass sie von Fressfeinden wesentlich schneller gesehen werden, sondern auch, weil es schwerer ist, ohne Tarnung selbst Beute zu machen. Ein Problem, das dem Albinomädchen im Tierpark erspart bleibt.
Südamerikanische Seebären stehen auf der roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN. Mehr als die Überfischung des Meeres macht den Tieren die Verschmutzung ihres Lebensraumes zu schaffen. Im Freiland gibt es noch etwa 400.000 Südamerikanische Seebären - mehr als die Hälfte dieser Tiere lebt vor der Küste von Uruguay, die anderen Tiere vor den Küsten von Peru, Chile und Argentinien.

Laut ZIMS (Zoological Information Management System) halten weltweit 19 Tiergärten und Zoos Südamerikanische Seebären. Hagenbeck beheimatet Europas größte Gruppe Südamerikanischer Seebären.

Beste Zuchtbedingungen finden bei Hagenbeck auch die Pinguine im Eismeer vor. Regelmäßig kommen hier Jungtiere zur Welt.

Den Humboldt-Pinguinen, die gern in großen Gruppen zusammenleben, steht eine 400 Quadratmeter große Anlage zur Verfügung. Hier können die Tiere beim Tauchen, Schwimmen, Springen, Klettern oder Brüten beobachtet werden. Die Pinguine nutzen für die Eiablage und die Aufzucht ihrer Jungtiere eine Höhlenwand im Eismeer. Hier können die Besucher hautnah miterleben, wie sich beide Elterntiere bei der Brut ablösen und sich gleichermaßen um ihren Nachwuchs kümmern.

Einzigartiger Pinguin-Rundweg

Königs- und Eselspinguine sind in der kühlen Antarktis beheimatet. Damit sich die Tiere auch bei Hagenbeck wohlfühlen, wird die Anlage der antarktischen Pinguine dank modernster Technik konstant auf sieben Grad Celsius heruntergekühlt.

Durch das innovative Gehege-Konzept können die antarktischen Esels- und Königspinguine hier nicht nur schwimmen, sondern mit Klettern, Rutschen und Hüpfen ihr gesamtes Repertoire an natürlichen Bewegungsabläufen nutzen, auf dem dafür extra konzipierten 40 Meter langem Rundweg. Hier leben die Pinguine in Kolonien, in der sie ihr Sozialverhalten ausleben, schlafen und brüten können. Um an Futter zu kommen, müssen die Vögel aus einer Höhe von 1,50 Meter ins Wasser springen und zur Fütterungsplattform schwimmen. Der Weg zurück zur Kolonie führt über eine Rutsche und ist wie eine Einbahnstraße angelegt, auf der die Tiere unentwegt in Bewegung sind. Die Besucher erleben die Tiere mitten in ihrer Anlage und nehmen die tierischen Eindrücke von rechts, links und von oben wahr, inklusive Geräuschen und Gerüchen. Große Panoramascheiben ermöglichen zusätzliche Unterwassereinblicke, pfeilschnell schwimmen die Tiere auf Augenhöhe an den Besuchern vorbei.

Während der Mauser verbringen die Esels- und Königspinguine ihre Zeit in der Eisgrotte, eine kleine Eiskammer mit künstlich erzeugtem Eis. Die Pinguine gehen erst wieder auf die große Anlage und in das Wasser, wenn ihr Gefiederwechsel vollständig abgeschlossen ist. Für die Besucher ist der Einblick in die Eiskammer immer ein spannendes Erlebnis.

Bildung

Auch mit dem Eismeer und seinen tierischen Bewohnern möchte Hagenbeck bei den Besuchern Begeisterung für die Tiere und deren Lebensräume wecken. Schaufütterungen, Informationstafeln, Zooschul-Exkursionen und Rallyes sensibilisieren alle Besucher für die Themen Natur- und Artenschutz. Hagenbeck bildet die biologische Vielfalt in einzigartiger Weise ab und zeigt gleichzeitig auf, warum es lohnt, sich für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen.

Für viele Menschen in unseren zunehmend urbanisierten Gesellschaften sind Zoos die einzige Gelegenheit, Wildtieren zu begegnen und sie mit eigenen Augen zu sehen, zu riechen, zu hören und mit allen Sinnen zu erleben.